Auszug aus der Zeitschrift
Hörerlebnis Nr 36 Juni / 2001
Lautsprecher: Largo von Translife
Brüder zur Sonne ...
von Marco Kolks
Im Lautsprecherbau führen viele Wege nach Rom. Und so unterschiedlich diese sind, so
unterschiedlich fallen die klanglichen Resultate aus. Rundumstrahler konkurrieren mit
Elektrostaten, konventionelle Systeme mit Dipolkonstruktionen. Dabei nimmt jeder
Entwickler für sich in Anspruch, den Königsweg gefunden zu haben. Norbert Schäfer und
sein Partner Joachim Zürn machen da keine Ausnahme. Die beiden Inhaber der schwäbischen
Lautsprecherfirma Translife versprechen ihren Kunden gar ein neues auditives Erlebnis, das
sich mit Worten nur schwer beschreiben ließe. Ich selbst sehe also in der Beschäftigung
mit dem Wandler Largo eine ganz besonders große Herausforderung. Sie haben ziemlich
respektlos die allseits favorisierte punkt- oder kugelförmig abstrahlende Box in Frage
gestellt und, wie sie selbst sagen, schließlich verworfen. Auch die landläufige Theorie,
daß sich in Schallausbreitungsrichtung bewegende Lautsprechermembranen die anliegende
Luft verdichtet, mußte auf den Prüfstand. Anhand aufwendiger Messungen will das Duo
Schäfer/ Zürn beweisen, daß das Gegenteil die Wahrheit ist, sich nämlich ein
Unterdruck bildet, der die Membran zusätzlich beschleunigt. Bestätigung finden sie beim
Leiter der Akustischen Fakultät der Fachhochschule Heilbronn, Professor Dr. Ulrich Arns.
Mit ihren neuen und eigentlich revolutionären Erkenntnissen wollen sie nun eine neue
Lautsprechergeneration einläuten.
An Selbstbewußtsein mangelt es Norbert Schäfer wahrlich nicht. Muß es auch nicht. Denn
dieser Entwickler hat sich in seiner highfidelen Vergangenheit mit der
"Phonogen" selbst sein eigenes Denkmal gesetzt. Ich kann mich gut an eine
Vorführung mit dieser Box erinnern, die für mich als jungem Musikfreund und vom High End
noch wenig beleckten Musikliebhaber ein unglaubliches Erlebnis darstellte. Als wäre es
gestern gewesen, weiß ich noch, daß ich damals mit offenem Mund gelauscht habe. Joachim
Zürn ist im Vergleich zu seinem Kompagnon noch relativ jung an Jahren. Er hat eine
Diplomarbeit mit dem Thema "Rechnergestützte theoretische Erfassung diverser
Lautsprecher- und Gehäuseparameter" geschrieben. Nach eigenem Bekunden dient selbige
Methode vielen Lautsprecherherstellern als Entwicklungsgrundlage. Beide sind davon
überzeugt, daß das gesamte Frequenzband nicht verzerrungsfrei durch einen zentralen
Erreger wiedergegeben werden kann. Vielmehr bedarf es nach ihrer Theorie großer
Membranflächen, um mittels einer Front sinusförmige Schallwellen optimal anzuregen. Ein
weiteres Problem war die Eindämmung des rückwärtigen Schalls im gesamten
Frequenzbereich. Wenngleich Eigenresonanzen als akustischer Störfaktor im Mittel- und
Hochtonbereich weniger Schaden anrichten, so blieben Lautsprecherentwickler im Baß laut
Schäfer eine befriedigende Antwort schuldig. Denn das, was unerwünscht durch die Etagen
wummert, seien tiefe Frequenzen im Bereich der jeweiligen Eigenresonanz. An diesem Punkt
setzt Translife mit dem völlig neuen, zum Patent angemeldeten Tieftönerkonzept
"PlainControl" an, das ohne Eigenresonanz arbeiten soll, da die Resonanzfrequenz
mit über 1000 Hz weit oberhalb des Spielbereichs liegt. Große Gehäuse als
Resonanzvolumen zur Wirkungsgraderhöhung entfallen somit. In einem nur sieben cm tiefen
Baßpaneele sind acht quadratische Treiber übereinander angebracht, was zu einer stolzen
Höhe von fast 1,70 Meter führt. Dennoch ist die Plazierung kinderleicht: quer auf den
Boden stellen oder wie ein Bild an die Wand hängen. Das Gewicht liegt bei nur 25 kg, da
wird keine Fassade zusammenstürzen. Die elegante Optik in veredeltem Aluminium und die
dezenten grauen Treiber lassen sich zudem unauffällig in die Wohnung integrieren. Nicht
minder elegant in ihrer Erscheinung ist die 1,90 Meter hohe, halbrunde und schlanke
Largo-Säule, die übereinander 16 Konus-Mitteltonsysteme und 9 Folienhochtöner aufnimmt.
Die Front deckt ein schalldurchlässiges Edelstahlgewebe ab; das System selbst steht auf
einem stabilen Fußsockel. Die gebogene Gehäusewand und zwei diagonal integrierte
Zwischenwände im Innern verhindern die Bildung von stehenden Wellen. Hier spielen Optik
und Akustik offensichtlich perfekt Hand in Hand. Außerdem sorgt die raumhohe Abstrahlung
für einen in Form zylindrischer Wellen abgegebenen Schall. (A'propos "raumhohe
Abstrahlung" und zylindrische Wellen: Daran hat Harold Beveridge auch schon
gearbeitet.) Aus klanglichen Gründen raten Schäfer und Zürn zur aktiven Weiche, damit
können die einzelnen Systeme sensibel aufeinander abgestimmt werden. Die Kombination, die
mir zur Verfügung gestellt wurde, bestand aus vier Baßpaneelen, zwei Largo-Säulen und
besagter Aktvweiche.
Kommentar
Dieser Wandler ist gut, verdammt gut sogar. Bei den Klangfarben vollbringt er sogar kleine
Wunder. Die Wiedergabe ist spritzig und von hoher Genauigkeit, man glaubt unendlich viele
Details zu hören. Die Mischung dieser Eigenschaften führt schließlich zu einer extremen
Natürlichkeit. Dem Musikhörer wird insofern das vermittelt, wonach er immer sucht:
Emotionen. Hört man beispielsweise alte Instrumente, belegen sie den gewonnen Eindruck.
Denn sie klingen meistens etwas spröder und daran lassen die Lautsprecher nun überhaupt
keinen Zweifel.
Bei Swing (Colin Anthony; "autumn in New York"; TDM Records; Koch Jazz;
3-6921-2) beweist der Translife-Sprößling, das ihm die Entwicklerväter das richtige
Rhythmusgefühl mit in die Wiege gelegt haben. Bei jedem Tempo gibt er zudem Töne in
einer "Gebundenheit" wieder, die ansonsten nur der Livedarbietung eigen ist:
phantastisch. Es fällt mir deshalb so kraß auf, weil ich jüngst ein Konzert von Ray
Brown besucht habe. Audiophile Hörkriterien beim Auftritt dieser Koryphäe für den dort
gewonnenen Klangeindruck zugrunde zu legen, grenzt an Blasphemie. Wir befinden uns auf
einer ganz anderen Baustelle, sprich in einer anderen Welt. Die Musik durchflutet
raumfüllend in Höhe und Breite als "Ganzes" den Konzertsaal. Das hat mit
dieser artifiziellen Puppenhausatmosphäre, die klassische High Fidelity gemeinhin
auszeichnet, rein gar nichts mehr zu tun. Da gibt es keine pseudo-holographischen
Klangbilder mit unendlich viel Luft zwischen den einzelnen Instrumentalisten (obwohl ich
persönlich darauf stehe und meine private Anlagenkonfiguration entsprechend
zusammengestellt habe). Nicht den oft zitierten, aber nie näher definierten
rabenschwarzen Baß, sondern nur ein stabiles Tieftonfundament als fester Bestandteil
eines homogenen Klangkörpers, ohne lautsprecherbedingte Einbrüche im Frequenzgang. Im
Konzert, da gibt es nämlich nur eines: Musik. Und genau diesem Klangideal fühlen sich
die Wandlersysteme von Translife verpflichtet.
Auch wenn die Wiedergabe nur so vor Kraft strotzt (John Furguson; "Cool"; Music
Maker; mmcd18; Good buy), geben die Largos die Zügel nicht aus der Hand und bleiben fest
im Sattel. Kein dröhnender, schmieriger Brei schmälert das Hörerlebnis. Selbst bei
richtig viel Gewalt bleiben die Chassis treu im Geschirr. Hinzu gesellen sich Stimmen in
makelloser Natürlichkeit, wiedergegeben mit dem nötigen Feingefühl, der richtigen
Mischung von Weichheit und Schärfe.
Selbstredend kommen die Qualitäten dieser Lautsprecher ebenfalls in einer subtilen,
nuancenreichen Atmosphäre voll zur Geltung (Radka Toneff; "Fairytales"; Odin
LP03). Die Zeichnung ist filigran, seidig und beseelt von einer lieblichen Wärme, die
gesamte Darstellung klar, präzise und stets diszipliniert. Der Tieftonbereich kommt
straff, exakt und durchschlagend, wenn er denn so sein soll.
Da die Konstruktion der übereinander angeordneten einzelnen Chassis bei der Largo eine
weit überdurchschnittliche Abstrahlhöhe von fast zwei Metern ermöglicht, gleiches
trifft auf die Baßpaneele zu, hat die imaginäre Klangbühne keinen flachen
Leinwandcharakter, sondern erinnert in erfreulichem Maße an den zuletzt gewonnenen
Klangeindruck beim Ray-Brown-Konzert. Auch in der Breitenstafflung lassen die Translifes
nichts zu wünschen übrig, weil die Bühne weit über die jeweils außenstehenden
Hoch-/Mitteltonsäulen reicht und diesbezüglich räumliche Limitierungen nicht existent
zu sein scheinen. Ähnliches habe ich nur einmal bei einer mich unvergeßlichen
Vorführung der Infinity-Reference-Boliden gehört, die mit einem ungeheuren Aufwand an
Elektronik und Zubehör betrieben wurden und schon vor knapp 20 Jahren irsinnig teuer
waren.
Selbst mit Pop von der brutalen Sorte (Anastacia; "not that kind"; Epic
Daylight; EPC 4974122) lassen sich die Largo nicht aus der Ruhe bringen. Zunächst fällt
wieder die Schnelligkeit auf. Schläge auf einer Snare kommen mit ungeheurer Wucht und
zeigen das Tempo des jeweiligen Stücks an, was noch durch ein hohes Maß an Auflösung
und Feinzeichnung unterstützt wird. So lassen in komplexen Kompositionen synthetische
Klangteppiche im Hintergrund sich viel deutlicher wahrnehmen (Enya).
Charakter: Bei einem langen Gespräch mit dem Entwickler hat mir dieser sein Klangideal
vorgestellt. Ich gehe davon aus, daß er ziemlich genau das beschreiben wollte, was diese
Lautsprecher wiederzugeben im Stande sind. Er höre Musik wie durch eine
"Fensteröffnung". Da kann man mal sehen, wie unterschiedlich Begrifflichkeiten
definiert und gedeutet werden. Ich habe mich stets mitten in der Musik gefühlt, weit weg
von dem Platz am Fenster. Die Wiedergabe ist gleichwohl intensiv und klangfarbenstark,
detailreich und natürlich. Den durch gute Hornsysteme erzeugbaren Druck kann auch dieses
System nicht wiedergeben, doch dafür gibt es eben die gerade genannten anderen und dafür
prädestinierteren Wandlertechnologien. Trotzdem ist die Musik hier und jetzt köperlich
fühlbar.
Wer so viel Geld ausgeben will, darf nicht an den Kabeln sparen. Der kleine
Führungsschlitz im Sockel der Largo-Säule läßt nur bestimmte Querschnitte zu.
Breitbänder wie das SPM-Reference von Nord-Ost sind aus rein physikalischer Sicht nicht
unterzubringen. Da bleibt nur das Abschrauben der hinteren, unteren Abdekkung, was aber
auf Kosten der Optik geht. Die Unterschiede zwischen den Kabeltypen sind deutlich zu
hören, hängen aber auch von der Qualität der Verbindungen sowie der vorgeschalteten
Elektronik ab. In der Aktivversion sollten nach meiner Erfahrung keine unterschiedlichen
Verstärkersysteme, also Röhren- und Transistorkomponenten, miteinander vermengt werden.
Die einzelnen Paneele sind für eine stabile Leistung dankbar und honorieren gutes
Equipment. Die Kombination zwischen einer Electrocompaniet-Endstufe für den Hoch- und
Mittelton- und den Burmester-Monos für den Tieftonbereich hat sich als überaus gelungen
erwiesen. Ähnlich vorteilhaft spielen Verstärker von Tessendorf. Beim Anschließen der
Röhre riß das Klangbild unterhalb der Mitten auseinander und ließ sich nicht mehr in
den Griff bekommen. Was nicht heißen soll, dass Röhrenelektronik generell von der Hand
zu weisen wäre. Mir fehlen weitere, ausreichend kräftige Röhrenmonos für die
Ansteuerung der Baßpaneele, sodaß ich diese spezielle Erfahrung nicht machen konnte und
die entsprechende Antwort schuldig bleiben muß.
Fazit: Das System von Translife ist je nach räumlichen Rahmenbedingungen ausbaubar. Man
kann also, das nötige Geld für die Anschaffung der Grundausstattung vorausgesetzt, sich
immer weiterentwickeln, was ich als großen Vorteil werte. Selbst in kleinen Räumen von
nur 12 Quadratmetern, wo ich eher spaßeshalber diese Wandlerkombi aufgebaut habe, lassen
sich ohne Ingenieursstudium weit überdurchschnittliche Ergebnisse erzielen. Die Optik ist
zumindest für meinem Geschmack über jeden Zweifel erhaben und das dekorative Moment
sollte man nicht unterschätzen. Besonders dann nicht, wenn man bei der
Wohnungseinrichtung auf die Zustimmung einer Partnerin angewiesen ist.
Die intensive Beschäftigung mit diesen Lautsprechern offenbart neben den neuartigen
musikalischen Aspekten die tiefe Liebe der Entwickler zum Detail. Der extrem hohe
handwerkliche Aufwand und die zum Einsatz kommenden teuren Materialien rechtfertigen
durchaus den hohen Preis. Doch der Käufer hat die Gewißheit, einen reellen Gegenwert zu
erhalten.
Dennoch ist eines klar: dieser Lautsprecher polarisiert. Gleichwohl darf man ihn als einen
klanglichen Meilenstein bezeichnen, als einen Berggipfel, der aus einem dichten Wolkenmeer
herauslugt und einen Platz an der Sonne verspricht. Ob Sie diesen aben wollen, müssen Sie
allerdings selbst entscheiden.
M K
Hersteller: Translife Media Systems Industriepark 12, 74706 Osterburken
Tel: 06291-64310-33, Fax: 6431050
E-Mail: info@translife.de Internet: www.translife.de
gehört mit:
Analoge Laufwerke: Transrotor Eternita, Musica Nova Piano Forte, Transrotor Fat Bob, Pluto
12a;
Tonarme: SME V (2x), SME 3012R, Pluto 5a Special;
Tonabnehmersysteme: v.d.H. Black Beauty, Transfiguration Temper und New Spirit, The
Cartridge Man, Scheu-Benz, Ortofon Rohmann,
Clearaudio Victory H;
CD-Spieler: Burmester 916, Consequence Audio Silver Block (mod. by Realite); Phonosophie
Impulse 1.5
Wandler: Goldmund SDRA, Audio Alchemy DTI Pro 3.2, Burmester DAC II
Vorverstärker: Burmester 808 MK V, Beck RV, Tessendorf TE1(Filternetzteil);
Phonostufe: Blue Amp Model 42, EAR 834, TE Audio Phono (Tessendorf/MC -Teflonausführung)
und Filternetzteil, TE Audio Phono (MC-Teflon) (2x), Transrotor-Phonostufe
Endverstärker: Burmester 911 MK II (Mono), Beck RE1;
Vollverstärker: Unison Research Simply 845 (Triode), Symphonic Line RG 14;
Lautsprecher: Acapella Violoncello, Newtronics Skate und Gate, Bella Luna von
CD-Konzertmöbel, Consequence Audio Pavane;
Kabel (NF/LS): Acapella (Silber), Bastanis, Dolphin, Flatline SPM-Reference, Acoustic
Balance Black, Ortofon 5000er Reinsilber-Phonokabel, Phonokabel von SAC, Phonokabel
Sun-Wire, Phonokabel van den Hul, Aural Symphonics (Digital), Voodoo von Dope Sounds, Elon
III, XLO-Netzkabel, Voodoo Netzkabel-(Prototyp), Netzkabel von Burmester und Phonosophie,
WBT-Kabelschuhe, Netzsteckerleisten: Beck Elektroakustik, Phonosophie, XLO, Sun;
Zubehör: Burmester Powerconditioner, Copulare Tonbasen, Acapella-Musikbasen (auch für
Lautsprecher), Big Block und Speed Block von Acapella, Reinigungsmittel Audiotop, Racks
von Audio Magic, Bedini Disc Clarifier, Sound Dynamics Foculpods, Sicominplatten,
Ducal-Kabelträger von Copulare, Kabelträger von Audio Magic, PS-Base von Fisch Audio,
VPI-Magic-Bricks, Räke Pucks, ART-Graphitpucks, CD-Sound-Improver von Gläss,
LP-Waschmaschine von Sota, Tonbase Plattenspieler (Eternita) von Realite, Roomtooning RFA
78 von Harmonix, Shun Mook, Shaktis, Enacoms, CD-mat von ART, Ring-Mat, Netzkabeladapter
von Hans-Ulrich Rahe (Prototyp), Netzkabel Schäfer und Rompf, Pucks Milennium Audio.
Hörerlebnis
Die Zeitschrift für Musik und High Fidelity
Verlagsanschrift
Hörerlebnis Verlag
Rosenstraße 3
D-46325 Borken
Tel.+Fax: 02861-601749
Internet
www.hoererlebnis.de
E-Mail
info@hoererlebnis.de
|